{"id":7912,"date":"2021-08-26T12:53:17","date_gmt":"2021-08-26T10:53:17","guid":{"rendered":"https:\/\/staging-biblio.appmanufacture.ch\/?p=7912"},"modified":"2021-12-16T15:22:25","modified_gmt":"2021-12-16T14:22:25","slug":"bibliothek-johannes-binder-signatur-bin-in-der-stadtbibliothek-schaffhausen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/staging-biblio.appmanufacture.ch\/?p=7912","title":{"rendered":"Bibliothek Johannes Binder (Signatur Bin) in der Stadtbibliothek Schaffhausen"},"content":{"rendered":"<p>Die B\u00fccher mit der Signatur Bin in der Stadtbibliothek sind das Verm\u00e4chtnis des Autodidakten Johannes Binder, der, aus \u00e4rmsten Verh\u00e4ltnissen stammend, zeitlebens B\u00fccher sammelte. Nach seinem Tod 1963 gelangte seine Bibliothek als Schenkung an die Stadtbibliothek, 2021 wurde der gesamte Bestand, <a href=\"http:\/\/opac.bibliotheken-schaffhausen.ch\/NetBiblio\/search\/shortview?searchType=Extended&amp;searchField=callnumber&amp;searchTerm=Bin*\">insgesamt 1500 Titel<\/a>, dank der tollen Arbeit unseres Zivis Luca in den Online-Katalog \u00fcbertragen.<\/p>\n<p>Wer aber war Johannes Binder, und woraus besteht seine Bibliothek? Ein kleines Dossier von Stadtbibliothekar Schellenberg von 1963 mit der Signatur Hs St Brog 28 gibt etwas Auskunft \u00fcber den Schenker. Darin befindet sich u.a. ein handschriftlicher Lebenslauf Binders und Schellenbergs Nachruf in den Schaffhauser Nachrichten vom 6. September 1963. Geboren 1881 in Wolfhalden, Kanton Appenzell Ausserrhoden als Sohn eines Heimwebers, konnte Binder lediglich die Elementarschule besuchen. 1909 heiratete er die Z\u00fcrcherin Mathilde Emilie M\u00fcller; im Z\u00fcrcher Trauschein wird er dann bereits als &#8222;Privatgelehrter&#8220; bezeichnet. In der Tat war f\u00fcr den Broterwerb in erster Linie Mathilde zust\u00e4ndig, die als Buchhalterin in einer Textilfabrik in W\u00e4denswil arbeitete. Johannes Binder, der wegen schwacher Gesundheit nicht zum Milit\u00e4r eingezogen wurde, konnte zuhause nach eigener Aussage &#8222;viel freie Zeit, die Studien und B\u00fccherpflege ausf\u00fcllten&#8220; verbringen. 1931 zog das Paar in der Weltwirtschaftskrise nach Schaffhausen und er\u00f6ffnete einen Engros-Handel f\u00fcr Hausierer, zun\u00e4chst in der Vorstadt, dann auf dem Herrenacker und schliesslich an der F\u00e4senstaubstrasse. Eine Zeitlang kam auch noch ein Textilgesch\u00e4ft auf dem Emmersberg dazu. Das Ehepaar lebte in k\u00e4rglichen Verh\u00e4ltnissen. Als 1949 Mathilde M\u00fcller starb, wurde Johannes Binder ein Fall f\u00fcr die st\u00e4dtische F\u00fcrsorge. Er starb am 29. Juli 1963 im Alter von 82 Jahren.<\/p>\n<p>Johannes Binder sammelte schon als junger Mann und bis ins hohe Alter B\u00fccher. Im Mittelpunkt seines Interesses standen Philosophie und Psychologie, gefolgt von den Naturwissenschaften. Ein kleines oder gr\u00f6sseres Faible scheint er f\u00fcr Rudolf Steiners Anthroposophie gehabt zu haben; einiges V\u00f6lkisches der 1920er und 1930er Jahre findet sich auch, daneben B\u00fccher zu Moral und Sittlichkeit, aber auch zur deutschen Sprache. Romane fehlen in der Bibliothek hingegen g\u00e4nzlich. Der Autodidakt Binder sammelte, was ihm gefiel, nicht unbedingt systematisch, zum Teil aber auf hohem und spezialisiertem wissenschaftlichen Niveau.<\/p>\n<p>Auff\u00e4llig ist der sehr gute Erhaltungszustand der B\u00fccher &#8211; dies trotz der bescheidenen Verh\u00e4ltnisse, in denen die Binders lebten. Binder kaufte zumeist antiquarisch oder in Broschur. Mehr als ein Viertel der B\u00fccher hat er sorgf\u00e4ltig selber gebunden, auch hier ganz der Autodidakt. Ein schulisches Studium oder die M\u00f6glichkeit zu Publizieren waren Johannes Binder versagt geblieben. Er betrachtete seine Sammelleidenschaft und seine Studien denn auch als private Liebhaberei &#8211; und die Bibliothek ist vor diesem Hintergrund sein Verm\u00e4chtnis.<\/p>\n<p>80% der B\u00fccher stammen aus dem 20. Jahrhundert, der Rest aus dem 19. Zu den interessantesten geh\u00f6ren die Biographie Charles Darwins von dessen Sohn Francis (Stuttgart 1887, Bin 837) und die popul\u00e4re Einf\u00fchrung in die Relativit\u00e4tstheorie Einsteins durch Max Born (Berlin 1920, Bin 547). Ernst Haeckels &#8222;Die Kalkschw\u00e4mme&#8220; (Berlin 1872, Bin 1007) war eine grundlegende meeresbiologische Monographie. Haeckel war nicht nur ein hervorragender Forscher, sondern auch ein begnadeter Zeichner, wie s\u00e4mtliche aus seiner Hand stammenden Darstellungen und Bildtafeln auch heute noch durch ihre Naturtreue und Plastizit\u00e4t eindrucksvoll belegen. &#8222;Die Sitten der S\u00fcdslawen&#8220; (Dresden 1927, Bin 1028) ist ein Buch der kroatischen Journalistin, Ethnographin und Feministin Jelica Belovi\u0107-Bernadzikowska mit interessanten folkloristischen Illustrationen. Und unter Bin 433 findet sich Gottfried Benns ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigte Schrift: Der neue Staat und die Intellektuellen (Berlin 1933), mit dem der Dichter sich der NSDAP andiente bzw. seinen Verbleib in Deutschland rechtfertigte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die B\u00fccher mit der Signatur Bin in der Stadtbibliothek sind das Verm\u00e4chtnis des Autodidakten Johannes Binder, der, aus \u00e4rmsten Verh\u00e4ltnissen stammend, zeitlebens B\u00fccher sammelte. 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